Durchsuchungen und Festnahmen in Berlin, Bayern und Rheinland Pfalz – Verknüpfung zu Kino.to und Share-Online.biz – fünf Millionen Euro über Briefkastenfirma gewaschen – GVU-Ermittlungsansatz ermöglichte Großverfahren

Berlin, 19.11.2019 Nach der Abschaltung von Share-Online.biz im letzten Monat ist den Behörden ein weiterer herausragender Schlag gegen die Piraterieszene gelungen: Am Donnerstag, den 14. November 2019, sind Polizei und Staatsanwaltschaft gegen die Betreiber und Hintermänner der illegalen Streaming-Portalseite Movie2k.to vorgegangen. Wohn- und Geschäftsräume in Berlin, Bayern und Rheinland-Pfalz wurden durchsucht, es gab insgesamt drei Festnahmen. Beweismittel und Vermögenswerte in beträchtlicher Höhe wurden sichergestellt, darunter mehrere Immobilien.

Beteiligt an der Aktion waren Beamte der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES), einer bei der Generalstaatsanwaltschaft Dresden angesiedelten Spezialabteilung für Fälle der Organisierten Kriminalität und Wirtschaftskriminalität. Der Tatvorwurf lautet unter anderem auf Geldwäsche.

Extrem lukratives Geschäft mit Raubkopien – immense Vermögenswerte sichergestellt

Im November 2011 hatte die GVU in Dresden Strafantrag gegen die Betreiber des Streamingportals gestellt und die Behörden fortlaufend mit eigenen Ermittlungen unterstützt. 2013 wurde Movie2k abgeschaltet, bis zu diesem Zeitpunkt wurden dort aktuelle Filme und Serien in gigantischer Anzahl widerrechtlich öffentlich zugänglich gemacht. Verlinkt wurde auf eine Vielzahl von Streamhostern, um im Falle einer Löschung genügend Ausweichmöglichkeiten zu haben. Der Betrieb des Portals war entsprechend lukrativ: Ein Beschuldigter aus Berlin soll zwischen 2013 und 2016 mehr als fünf Millionen Euro aus dem Portalbetrieb in Immobilien angelegt haben, die ihm die Betreiber von Movie2k über eine Briefkastenfirma überwiesen hatten.

Evelyn Ruttke, Geschäftsführerin der GVU, beglückwünschte die Behörden zu ihrem Erfolg: „Die Aktion zeigt eindrucksvoll, dass sich Betreiber illegaler Portalseiten auch Jahre nach der Abschaltung nicht sicher fühlen können“. Besonders hob sie auch die erfolgten Sicherstellungen hervor: „Dadurch wird es für Geschädigte einfacher sein, Zugriff auf Vermögenswerte zu erhalten, die die Täter gehortet haben.“

Piraterienetzwerke: mehr Besucher als Spiegel online

Die aktuellen Entwicklungen in diesem Fall, der seinen Beginn vor immerhin acht Jahren hatte, macht deutlich, wie die durch die GVU in Gang gesetzten und begleiteten Verfahren aufeinander aufbauen: „Nachdem mit Kino.to 2011 das größte illegale Streamingportal Deutschlands durch die GVU zu Fall gebracht wurde, stieß Movie2k unter Beteiligung einiger Kino.to-Mitbetreiber in diese Lücke und stieg schnell im Ranking – 2013 waren die Besucherzahlen höher als die von Spiegel Online.“, weiß Ruttke zu berichten.

Aus dem Kino.to-Verfahren zog die GVU Informationen über Werbungtreibende und Werbemakler, die dort Flächen für Banneranzeigen vermittelten und so hohe Summen verdienten. 2018 wurden dann der Inhaber und zwei Mitarbeiter einer Online-Werbeagentur wegen Beihilfe zur gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzungen zu Freiheitsstrafen verurteilt – ein Präzedenzurteil in Deutschland und direkte Folge aus dem Kino.to-Verfahren. Dieses Urteil wiederum zeigt, dass auch die Unterstützer „im Hintergrund“ der Portalseiten nicht vor Strafverfolgung sicher sind. Wie zur Untermauerung dieser These kam es im Oktober 2019 zum von der GVU initiierten Schlag gegen den Filehoster Share-Online.biz, Millionen illegal verfügbarer Dateien verschwanden aus dem Netz.

„Streamhoster, Filehoster, Werbemakler oder Portalseitenbetreiber – wir müssen unsere Augen überall haben, denn die Akteure dieser Szene arbeiten aus dem Untergrund, arbeitsteilig und hochprofessionell.“, sagt die GVU-Geschäftsführerin. „Unsere Erfolge in jüngster Zeit zeigen: Egal wie komplex die illegalen Geschäftsmodelle sind, mit unserem Ermittlungsansatz des ‚Follow-the-money‘ und der systematischen Verknüpfung von Erkenntnissen aus unseren Verfahren kommen wir den Tätern erfolgreich auf die Spur.“ Auch in Sachen Movie2k gibt es Indizien für Geschäftsbeziehungen zu anderen Tätern, die nun verifiziert werden müssen und als Basis für weitere Verfahren dienen können.

Quelle: https://gvu.de/movie2k-razzia-ermitt...mmobilien/4141