Internetzugang ist ein Grundrecht in Estland. Die Verfassung garantiert ihren Bürgern kostenloses W-Lan – und saniert dafür die IT-Infrastruktur alle paar Jahre.
Mit dem immer präsenten World Wide Web haben sich auch die staatlichen Dienstleistungen gewandelt: 93 Prozent der Steuererklärungen werden digital eingereicht, Ärzte stellen Rezepte über eine virtuelle Gesundheits-Datenbank aus, Wahlen erfolgen per SMS. Schon 1997 wurden alle estnischen Schulen in der Aktion „Tigersprung“ ans Netz geschlossen und Programmieren in den Lehrplan integriert.
Die Digitalisierung ist zum Markenzeichen des kleinen baltischen Landes geworden – oder besser: zum Markenzeichen von E-Stonia.
WORUM GEHT’S? E-RESIDENCY
So richtig einen raus gehauen hat der Mini-Staat 2014, als Estland als erstes Land des Globus eine virtuelle Staatsbürgerschaft einführte: Die sogenannte E-Residency. Dabei handelt es sich um eine grenzunabhängige, virtuelle Niederlassung, für die sich jeder bewerben kann. Mit jeder meine ich: jeder. Ohne einen Wohnsitz in Estland zu haben – und auch ohne im Land anwesend zu sein.
Warum das interessant ist? Weil du als estnischer Digital-Bürger von allen virtuellen Serviceleistungen Estlands profitieren kannst. Im Klartext: Eine Firma gründen und diese von unterwegs verwalten.
ALL YOU NEED IS… SMART ID CARD
Die Digitalisierungswelle hat Estland mit Kindesbeinen des Internets gepackt, wie wir ja nun wissen. Damit im ersten Schritt die Esten die staatlichen Digital-Dienste auch nutzen können, wurde die sogenannte Smart ID Card eingeführt: Eine Plastikkarte mit integriertem Mikro-Chip, die als Personalausweis dient, Zugang zu den Tools gewährt und für die digitale Signatur von Dokumenten verwendet wird. Heißt – nie wieder etwas ausdrucken und physisch unterschreiben, oder gar per Post versenden müssen. Hallo Deutschland.
Mit Taavi Kotka, Mitbegründer von Skype und IT-Beauftragter der estnischen Regierung (übrigens Speaker auf der upcoming DNX Global in Lissabon), stand im zweiten Schritt die Idee der E-Residency in der Tür der estnischen Regierung: Warum nicht allen Weltbürgern Zugang zu diesem System verschaffen – und so Firmengründungen von Ausländern in Estland begünstigen?
WILL ICH HABEN. E-RESIDENCY STEP-BY-STEP
Gesagt – getan. Und nach diesem Motto erkläre ich dir hier, wie du Schritt für Schritt deine Firma in Estland gründest.
Wichtig zu wissen: Du musst zuerst E-Resident werden, um dann deine Firma gründen zu können (oder Firm-en). Ich selbst habe beides im letzten Jahr gemacht und erkläre dir, wie ich vorgegangen bin.
Aber Achtung. Die E-Residenz ist keine „echte“ Staatsbürgerschaft. Mit ihr erhältst du kein Wahlrecht, keinen steuerlichen Wohnsitz – und auch kein Einreiserecht in die EU oder nach Estland




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