Der Blockchain der Kryptowährung Bitcoin steht ein umfassendes Update bevor, das nicht alle Teilnehmer befürworten. Im Ernstfall droht eine Spaltung. Bitcoin-Nutzer sollten in den nächsten Tagen keine Transaktionen mehr tätigen und ihre privaten Schlüssel sichern.
Bitcoin-Nutzer sollten in den nächsten Wochen besonders aufmerksam sein: Der Blockchain der Kryptowährung stehen grundlegende Änderungen bevor, die zu vorübergehenden Inkonsistenzen oder schlimmstenfalls einer Spaltung der virtuellen Währung führen können. Um Transaktionen effizienter zu machen, sollen die Blockgröße der Blockchain von bisher einem MByte auf zwei MByte erhöht und Off-Chain-Transaktionen ermöglicht werden. Inzwischen werden diese tiefgreifenden Änderungen zwar mehrheitlich unterstützt, allerdings gibt es auch Widerstand.
Die Aktualisierung läuft unter dem Namen Segwit2x - die Kurzform für Segregated Witness. Ursprünglich sollte Segwit2x vor allem das Problem der verformten Transaktion verhindern. Diese Schwachstelle ermöglicht es, dass Dritte eine Transaktion manipulieren, bevor sie bestätigt wird. Der ehemalige Betreiber der insolventen Bitcoin-Börse Mt. Gox, Mark Karpeles, der sich dieser Tage vor einem japanischen Gericht wegen Diebstahls und Börsenmanipulation verantworten muss, macht diese Schwachstelle für den Verlust von 650.000 Bitcoin verantwortlich. Zudem soll der Diebstahl von Bitcoin aus einem Wallet erschwert werden.
Das Problem der Skalierung
Zudem soll Segwit2x ein weit größeres Problem bei Bitcoin lösen: die inzwischen drastisch gesunkene Skalierbarkeit der Blockchain. Denn die bisher ein MByte großen Blöcke schränken bei der zunehmenden Zahl von Transaktionen die Zeiten bis zu deren Bestätigung ein, was nicht nur Geschwindigkeitseinbußen, sondern auch eine Erhöhung der Transaktionskosten mit sich bringt. Je niedriger die bezahlten Transaktionskosten, desto verzögerter kommt die Bestätigung eines Transfers. Besonders Miner profitieren aber von erhöhten Transferkosten, die sie für ihre geschürften Bitcoin einstreichen. Kritiker bemängeln zudem, dass selbst die Erhöhung der Blockgröße auf das Maximum von vier MByte die Probleme der mangelnden Skalierung nicht lösten.
Lightning Network lagert Transfers aus
Um Transfers zusätzlich zu beschleunigen und Zugriffe auf die zentrale Blockchain zu vermeiden, erwägen die Bitcoin-Macher deshalb zusätzlich die Umsetzung von Off-Chain-Transaktionen. Mit ihnen soll es möglich sein, Transfers außerhalb der Blockchain zu tätigen. Im Gespräch ist die P2P-Lösung Lightning Network, die bereits in verschiedenen Ausführungen entwickelt und getestet wird. Das Lightning Network ist vor allem für Nutzer gedacht, die häufig Zahlungen in Bitcoin untereinander tätigen. Dazu stellen die Teilnehmer Guthaben innerhalb des Lightning Networks zur Verfügung. Einzelne Transaktionen im Lightning Network werden nicht in der Blockchain vermerkt.
Die Umsetzung von Segwit2x ist nach einer Übereinkunft der meisten großen Bitcoin-Unternehmen eigentlich beschlossene Sache. Allerdings gibt es auch einige, die sich nicht dazu verpflichtet haben. Außerdem müssen mindestens 95 Prozent der Bitcoin-Schürfer ebenfalls zustimmen. Momentan liegt die Akzeptanz bei etwa 87 Prozent, mit steigender Tendenz. Scheren Unternehmen oder Schürfer aus, droht eine Inkonsistenz der Blockchain oder sogar eine Spaltung.
Stichtag: 1. August 2017
Dennoch wird Segwit2x ab dem 26. Juli eingeführt, wenn zunächst das Bitcoin Improvement Proposal (BIP) mit der Nummer 91 umgesetzt wird. Ab dann müssen alle Blocks im Blockchain ihre Akzeptanz für BIP 141 alias Segwit2x signalisieren. Anderenfalls werden sie nicht mehr in die Blockchain integriert. Läuft alles nach Plan, dürfte Segwit samt dem Lightning Network bis Ende August implementiert sein. Der Wechsel zur Blockgröße von 2 MByte wird dann voraussichtlich im Laufe des Novembers erfolgen.
Sollte es tatsächlich zu einer Spaltung (Hard Fork) kommen, würde sie am 1. August erfolgen. In einem Blogpost weisen die Entwickler von Bitcoin-Core - der Software, die das zugrundeliegende Protokoll bereitstellt - auf die Auswirkungen einer Spaltung hin. Eine Unterbrechung der Konfirmationen von Transaktionen kann im Ernstfall dazu führen, das zuvor eingegangene Bitcoin wieder verschwinden oder Zahlungen nicht akzeptiert werden.
Nutzer sollten die Entwicklung aufmerksam verfolgen
Die Bitcoin-Entwickler raten deshalb, bereits 48 Stunden zuvor keine Bitcoin zu akzeptieren. Auch Zahlungen sollten dann nicht mehr getätigt werden. Außerdem wird Nutzern geraten, unbedingt ihre privaten Schlüssel zu sichern, auch wenn sie ihre Bitcoin an fremde Dienste oder Börsen ausgelagert haben. Zudem könnte es zu großen Kursschwankungen kommen.
Nach dem 1. August sollten Nutzer zunächst, trotz positiver Bestätigung, keine Bitcoin annehmen, bis klar ist, ob alle Teilnehmer BIP 141 akzeptieren und umsetzen. Auch von Zahlungen wird zunächst abgeraten. Nutzer sollten sich unbedingt auf der Webseite von bitcoin.org über die Ereignisse auf dem Laufenden halten. Auch wenn es gegenwärtig danach aussieht, als würde Segwit2x mehrheitlich akzeptiert werden, kann es dennoch zu Verzögerungen bei der Umsetzung kommen.
Quelle:Spoiler ausklappen




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