Ich würde nicht mal drauf kommen, mir überhaupt soetwas zu kaufen![]()
Tatsache ist, dass jemand aus dem Bekanntenkreis meines Bekanntenkreises anfragte, wie man mit Bitcoins bezahlt. Bei näherer Nachfrage stellte sich heraus, dass er sich Drogen über das Internet beschaffen wollte. Seine Begründung dafür war:
- Ein Freund von ihm machte es auch und das liefe einwandfrei
- Was soll schon passieren? Er kauft es doch eh aus dem Darknet
- Die Verkäufer kennen sich schon mit dem Verschicken aus, die machen es ja nicht zum ersten Mal
- Bequemlichkeit
- Es sieht ja dann auch keiner
Bei der Kombination dieser 3 Faktoren setzt anscheinend das Hirn bei manchen aus. Weil ich bei solchen Unterfangen aus Prinzip nicht unterstütze, verging nicht einmal eine Woche und ich erhielt von meinem Bekannten eine neue Auskunft über seinen Bekannten.
Er weiß nun wie man mit Bitcoins bezahlt und wie man sie bekommt. Ich fragte natürlich nach, wie er denn an die Bitcoins kommt und wie er bezahlen möchte. Schlussendlich belief es sich darauf, dass er über seinen ganz normalen PayPal Account über eine sicheren Händler, bei dem man seine RL-Daten nachweisen muss, Bitcoins kaufen wollte. Dann hatte er vor über dieselbe Adresse die Bitcoins zu überweisen. Übrigens kommt noch hinzu, dass sämtliche "legal erscheinende Seiten" von ihm anscheinend ohne VPN oder ähnlichem besucht werden.
Anscheinend steigt die Sicherheit an, wenn man nur genügend Positives über solche Dienstleistungen hört. Das Fehler bei Kleinigkeiten wie z.b. bei der Zahlung passieren können und das das Deepweb definitiv nicht so sicher ist, wie sie denken, wird einfach völlig verdrängt ( von der Adressen-Angabe ganz zu schweigen).
Das Problem ist hier doch weniger das Zahlungsmittel als der Briefkasten. Klar, man kann sich die Drogen an einen fremden Briefkasten schicken lassen und sie dort abholen, aber das ist aufwändig und auch unsicher. Dann kann man sich vermutlich auch irgendwo ein Schliessfach unter falschem Namen geben lassen, das kostet aber etwas. Schlussendlich ist es doch einfacher man holt sich die Drogen bei einem lokalen Dealer oder noch besser man verzichtet einfach darauf. Die Besteller waren ja vermutlich meist nicht gross Abhängig von den Drogen.
Geändert von maz (15.05.2016 um 19:51 Uhr)
Es geht mehr um was anderes: Es ist den Leuten egal, denn die meisten interessiert es nicht, dass sämtliche RL-Verweise nachverfolgbar sind.
Der Erste ignoriert alles und kauft ungeschützt ein direkt zu sich nach Hause(weil es schon sicher sein wird).
Der Zweite achtet zwar drauf, dass sein Stoff wo anders hingeliefert wird, vergisst aber eine sicher Zahlungsweise zu wählen(weil es schon sicher sein wird).
Der Dritte achtet auf beide Punkte, aber vergisst die Zurück-Verfolgbarkeit seiner Zahlungsweise abzuchecken (weil es schon sicher sein wird).
Am Ende sieht es doch so aus, dass je mehr Aufwand dafür betrieben werden muss sich abzusichern, desto uninteressanter wird das Angebot für einen. Je weniger jemand Ahnung hat und umso mehr er denkt, "dass es schon sicher ist", desto eher wird er der Sache nachgehen.
Da fällt mir ein, ich hatte ein Argument vergessen, was sich in des Bekannten Hirn festsetzte und ich glaube ihr kennt das irgendwoher:
Da muss man mal sehen mit welcher Sicherheit Leute bei sowas an den Start gehen, ohne in geringster Form Ahnung zu besitzen.Die Interessieren sich eh nicht für die Käufer. Die wollen, wenn eh nur die Betreiber haben.
Nur ist es eine erwiesene Sache, dass wenn man seine Daten so schön preisgibt, man dann auch nicht übersehen wird (immerhin bleibt ja der ganze Ermittlungsaufwand erspart).
So traurig und doch so wahr.![]()
Geändert von Unlimiter (15.05.2016 um 12:46 Uhr)
ebenfalls ist es den behörden nicht gelungen die server zu beschlagnahmen.
das war auch eine falsche information und in weiterer folge haben sie korrigiert dass die beschlagnahmten server nur als proxies fungiert hatten.So viel zu "jeder, der auf RL-Addresse bestellt hat, ist gefickt" und Vorladungswelle ala Shiny-Flakes.korrekt. die behörden haben keine kundendaten.
Was sie wollen, ist ohnehin irrelevant. Vergehen nach §29 ff. BtMG sind sog. Offizialdelikte, das heißt, der Staat muß sie verfolgen, sobald er Kenntnis von ihnen hat. Auch der versuchte (!) Erwerb ist in D schon strafbar. Bei per BtMG "geringen Mengen" kann der StA das verpflichtend zu eröffnende Verfahren wg. Geringfügigkeit (auch unter Auflagen) wieder einstellen, muß er aber nicht.Die Interessieren sich eh nicht für die Käufer. Die wollen, wenn eh nur die Betreiber haben.
Die Straftatbestände im Einzelnen sind hier sehr schön erklärt.
Ich finde wichtig, daß auch das den Interessenten mal erklärt wird. Es bedeutet im Prinzip: Deutsche werden dann Post bekommen, sobald sie als möglicher Täter identifiziert werden, ob es über die Zahlung, IP, Mail- oder Versandadresse geschieht, ist zunächst egal.
Wollen wir hoffen, daß die Daten inzwischen tatsächlich vernichtet sind. Sicher kann sich keiner fühlen, denn solange sie nicht vernichtet sind, besteht prinzipiell noch die Möglichkeit, daß etwas nachkommt, auch nach längerer Zeit noch. ;-)
Cannonau
Es steht hier nicht die gesetzliche Lage im Vordergrund (deswegen habe ich sie unter anderem in sämtlichen Texten nicht hervorgehoben), sondern die Beziehung zwischen dem Denken und Handeln der Person und der tatsächlich (auch bewussten - ja vielen ist es bewusst) Gesetzeslage. Das bringt uns ja zur Frage "Wieso bestellen sich Leute so etwas online" - was unser Ausgangspunkt war.
Erkläre jemanden: "Wenn du das machst ist es eine Straftat und das sind die Konsequenzen (Liste)". Dir wird dann gesagt: "Das ist mir doch egal, die interessieren sich doch eh nur für die Betreiber".
Das ist vollkommen normal. Je mehr man etwas will, desto mehr fängt man an negative Aspekte auszublenden oder schön zureden.